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: „Warum sind deine Eltern Feinde des Friedens?“

Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier besucht die Hildegardisschule

"Warum sind deine Eltern Feinde des Friedens?" Das war nur einer von vielen Sätzen, mit denen die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier die rund 300 Schülerinnen aus der gesamten Oberstufe in Stille versetzte. Denn mit ihrer Unverblümtheit und Direktheit berichtete die Autorin und Regisseurin über ihr Aufwachsen und Leben in einem Staat, der von Unterdrückung, Angst und Paranoia beherrscht war.

40 Jahre gefangen in einer Diktatur, 40 Jahre innerer Zwiespalt zwischen Angst vor Identitätsverlust und Opportunismus, 40 Jahre Widerstand und Rebellion. Dies auf genau 90 Minuten Sprechzeit herunterzubrechen war für die Zeitzeugin aufgrund vieler einschneidender Ereignisse in dieser Zeit eine große Herausforderung.

Um den verklärten, idealisierten Darstellungen, die heutzutage immer noch um den DDR-Staat kursieren, den Wind aus den Segeln zu nehmen, erzählt Freya Klier von ihren bedrückenden Kindheitstagen. Diese bestanden für sie aus rigoros handelnden, regimetreuen Polizisten, den Kommunismus verehrenden und lehrenden Erzieherinnen und angeordneten Gedenkstunden zu Ehren des Retters dem "großen Väterlein Stalin".

Die tragische Lebensgeschichte ihres großen Bruders, die von willkürlich verhängter Gefängnisstrafe, über die Einweisung in eine geschlossene Anstalt bis hin zum Selbstmord führte, war für sie der ausschlaggebende Punkt, ein Leben frei von Unterdrückung führen zu wollen.

Ein Leben frei von Unterdrückung, was für sie nicht die Flucht nach Westdeutschland bedeutete, sondern vielmehr der Widerstand in der DDR selbst. Eine Entscheidung, die letztendlich Mordanschläge durch die Stasi, Gefängnisaufenthalt und am Ende die Ausweisung nach Westberlin zur Folge hatte.

Freya Klier beendete ihren Vortrag mit dem ausdrücklichen Appell, die Demokratie mit aller Macht zu bewahren. Ein Appell, der umso wichtiger ist, da er sich an Schülerinnen wendet, die in einer komplett anderen Zeit groß geworden sind und die Demokratie als eine Selbstverständlichkeit ansehen, junge Erwachsene, die ein Leben in einem Staat wie der DDR, voller Machtmissbrauch und Rechtlosigkeit, nur aus Geschichtsbüchern kennen.

Noelle Brahm und Charlotte Kalkofen